O-PUR – das Originäre Produktsicherungs- und Rückverfolgungskonzept


Gefälschte Medikamente sind ein immer größeres Problem mit sehr ernstzunehmenden Konsequenzen. Damit Patient erkennen können, ob ein Arzneimittel tatsächlich ein Original ist, forscht manroland zusammen mit der Hochschule Mannheim, dem Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM, EINS GmbH, epyxs GmbH, Pepperl+Fuchs und weiteren Partnern bereits seit 2008 an einer industriell breit anwendbaren Lösung. Im Rahmen des Projekts O-PUR wurde so ein Verfahren entwickelt, das einfach und kostengünstig eine Echtheitsprüfung per Mobiltelefonkamera ermöglicht.

Ein individueller Fingerabdruck
Ein solches Verfahren muss einerseits bequem und kostengünstig anwendbar sein, andererseits muss die entsprechende Produktverpackung für die Fälscher nur unter extrem hohen Aufwand zu imitieren sein.
Dazu werden bislang die vielfältigen Druckveredelungsvarianten genutzt, die es erlauben, Verpackungen über optische und haptische Reize möglichst einzigartig zu gestalten. Prägungen, Farben, Lacke, Glanz und Glitzer helfen dem Verbraucher, das Original von weniger aufwendig gestalteten Fälschungen zu unterscheiden. Mit O-PUR kommt hier ein zusätzliches Element hinzu, das Verpackungen einen einzigartigen Fingerabdruck verleiht.
Über einen wenige Millimeter großen 2-D-Code wird jeder Papierbogen identifizierbar und jede Verpackung zum Unikat. Die Daten der „Fingerabdrücke“ werden auf zentralen Servern gespeichert, so dass sich jede Verpackung einer Charge zum Beispiel per Mobiltelefon mit Digitalkamera über diesen Code identifizieren und ihre Herkunft zurückverfolgen lässt.

Eindeutige Kennzeichnung
Solche „Fingerabdrücke“ weisen Papier, Metalle, Kunststoffe und hochwertige Naturprodukte wie Holz oder Leder bereits aufgrund ihrer einzigartigen Oberflächenstrukturen auf. Betrachtet man zum Beispiel Papier unter dem Mikroskop, wird seine raue Oberfläche deutlich. Holzfasern liegen wie Mikadostäbchen chaotisch unter- und übereinander. Diese Mikrostruktur ist bei keinem Papier identisch. In Verbindung mit der Farbe im Druckprozess wird das Ganze noch individueller, denn die Fasern nehmen auch unterschiedlich die Farbe auf. Mit dem bloßen Auge ist das nicht erkennbar, aber nie verläuft oder trocknet Farbe gleich.
Auf dieses Prinzip baut O-PUR, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, auf. Über den 2-D-Code, maximal drei Millimeter groß, wird jeder Papierbogen eindeutig identifizierbar. Dabei verursacht die Herstellung keine Mehrkosten, denn der Druck des Codes läuft einfach im Druckwerk mit. Die Sicherheitsmarkierungen werden über Kamera oder Scanner dokumentiert. Für die Zukunft sehen die Szenarien hier bereits eine in den Druckmaschinen integrierte High-Speed-Digitalkamera vor. Sind die 2D-Codes erfasst, kodiert und die Daten auf zentralen Servern gespeichert, lässt sich jede Verpackung einer Charge darüber identifizieren und ihre Herkunft zurückverfolgen.
Für den Schritt der Dekodierung suchten die Forscher etablierte, weit verbreitete Technologien und kamen aus diesem Grund schnell auf das Mobiltelefon. Integrierte Digitalkameras sind bei den aktuellen Geräten Standard und so lässt sich die Kamerafunktion in Kombination mit einer speziellen Software bestens für die Zwecke von O-PUR verwenden: Der Kunde macht ein Foto des Codes, die Daten werden per Internet mit den registrierten Fingerabdrücken abgeglichen und es erfolgt in wenigen Sekunden die Bestätigung der Echtheit oder eine Warnung.
Somit kann jeder Kunde sicher sein, dass er ein Original in Händen hält, und das Geschäft mit kopierten Produkten ist weniger lukrativ.

Abbildung:
Verbraucher können sich direkt beim Kauf mit der Kamera ihres Mobiltelefons von der Echtheit eines Produktes überzeugen. Im Rahmen des Projektes O-PUR wird ein Code zum individuellen Fingerabdruck einer jeden Verpackung und enttarnt Fälschungen. | © manroland, Foto: Herbert Gairhos.