Lenticular-Technik ist ein aufwändigeres Verfahren als normaler Druck: Um wieviel höher sind die Kosten im Vergleich?

Die Frage nach den Kosten wird meiner Meinung nach unter der falschen Prämisse gestellt. Im Vergleich verschiedener Kommunikationsmaßnahmen bleiben wesentliche Produkteigenschaften unberücksichtigt. Sinnvoll ist es, die Vorteile der Medien zu nutzen und diese Vorteile ins Preis-Leistungs-Verhältnis zu stellen, statt nur allein auf den Preis zu schauen. Dabei rate ich konkret davon ab, „billige“ Angebote zu nutzen, denn schlecht produzierte Lenticulare kehren ihre Wirkung schnell ins Gegenteil.

Die genauen Kosten sind immer abhängig vom jeweiligen Dienstleister, dem Umfang und natürlich auch dem Aufwand des jeweils geplanten Projektes. Generell kann man sagen, dass die Kosten schon allein aufgrund des Materials spürbar höher liegen als bei einer Standardproduktion. Neben höheren Anforderungen an die Lenticularfolie werden auch an die Vorstufe zusätzliche Herausforderungen gestellt. Dafür bekommt man jedoch deutlich mehr Aufmerksamkeit als mit Standardprodukten. Eine gut angelegte Kampagne kann durchaus eine überdurchschnittliche Zahl an Kontakten generieren, da die Produkte gerne weitergezeigt werden. Dabei muss es nicht immer das A4-Format sein. Auch kleinere Applikationen in einem Printprodukt sind Eye-Catcher – und dies bei moderaten Preisen.

Was ist im Blick auf die Produktion zu beachten: Abläufe, Bilder, etc., welche Tipps haben Sie für Marketer, die das Verfahren in der Herstellung ihrer Werbemittel einsetzen wollen?

Lenticular eignet sich zur Erstellung von Morphing- und 3D-Effekten sowie für die Darstellung kurzer Filmsequenzen. In diesem Umfeld lassen sich zahlreiche interessante und pfiffige Ideen entwickeln. Der beste Tipp, den ich geben kann, ist es, frühzeitig einen erfahrenen Full-Service-Dienstleister in die Planung mit einzubeziehen. Denn jeder Effekt bedarf einer leicht anderen Herangehensweise und bedingt eigene Anforderungen an das Bildmaterial. Bereits die Bildauswahl kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden.
Wie viele Einzelbilder benötigt werden, hängt von dem gewünschten Effekt ab. Je nachdem befinden sich zwischen 2 und 30 Teilbilder (Frames) unter jedem Linsenstreifen. Bei Animationen sind beispielsweise acht Phasen Standard. Je mehr Phasen verwendet werden, desto weicher erscheinen die Bewegungen. Allerdings wird hierdurch die Bildschärfe heruntergesetzt. Bei Animationen ist es auch wichtig, darauf zu achten, dass der Effekt in beide Richtungen als sinnvoll empfunden wird. Optimal ist, wenn die Bewegung nur in einem Teil des Bildes abläuft bzw. statische Objekte im Hintergrund Ruhe hineintragen.
Erfahrung ist bei der Detailplanung enorm wertvoll. Letztlich ist die Produktion von Lenticularen für den Auftraggeber keine große Sache. Der Aufwand für den Marketer besteht darin, dass er sich mit dem Produkt konzeptionell auseinandersetzen muss – aber das ist meines Erachtens ohnehin eine Notwendigkeit für erfolgreiche Printkommunikation.

Im Hinblick auf welche strategischen Ziele in der Werbung bietet sich dieses Verfahren für Anzeigen, Flyer, Karten oder Plakate an?

Lenticulare sind prädestiniert dazu, den Kunden zu stoppen, zu packen und auch zu überzeugen. Die Lenticulare sind nach wie vor Eyecatcher und generieren viel Aufmerksamkeit. Die verschiedenen Effekte wie beispielsweise FlipFlop oder Morphing binden den Empfänger aktiv ein. Selbst komplexe Sachverhalte sind durch die Technik spielerisch zu erfassen.
Im Bereich der Anzeige bietet sich die Nutzung als Insert an. Neben dem Kostenfaktor hat dies auch praktische Gründe, welche in der Magazinherstellung liegen. Das Insert bietet die Chance, dass das Werbemittel das Magazin überlebt. Der Einsatz der Technik bei Flyern garantiert, dass die eigene Botschaft aus der Werbeflut heraussticht. Gerade bei der Verteilung der Flyer in Briefkästen ist dies ein enormer Vorteil.
Hier zeigt sich auch, weshalb man die Kosten in Abhängigkeit von der Leistung betrachten muss: Wenn es gelingt, mit einem angenommenen doppelten Kostenaufwand viermal so viel Response zu generieren, so ist der effektive Preis pro Response nur halb so hoch wie bei einem Standardprodukt. Hinzu kommt, dass die Kosten der Verteilung durch eine potenziell geringere Auflage niedriger sind, wodurch sich das Verhältnis weiter zugunsten des Lenticulars oder eigentlich aller veredelten Kommunikationsmaßnahmen verschiebt.

Gibt es Erkenntnisse dazu, wie oft das Verfahren schon in der Werbung eingesetzt wird?

Nein, es wird aber deutlich, dass gerade jetzt die Lenticulare eine Renaissance erleben. Dies wird sicherlich auch vorangetrieben durch den Erfolg der 3D-Technologie im audiovisuellen Bereich. Lenticular bietet hier vergleichbare Effekte und es zeigt sich, dass Konsumenten 3D-Effekte als Mehrwert betrachten.

Gibt es Studien oder Daten zur Werbewirkung: Aufmerksamkeit, Response, Imagebildung, Werberinnerung?

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hat bereits 2008 unter der Leitung der Bauer Media KG eine Studie zur Wirkung von Ad-Specials in Auftrag gegeben, bei denen auch eine Lentikularpostkarte mit berücksichtigt wurde. (siehe: http://www.printwirkt.de/category/studienfinder/adspecials/)
Lenticular ist danach von über 50 Prozent der Befragten als interessant eingestuft worden und wurde damit als ebenso attraktive Werbeform betrachtet wie Megainserts. Allein Warenproben und Duftdruckanzeigen wurden als noch attraktiver bewertet.

Ein anderes Thema ist die Sonderwerbeform Video-Print: Auf einer Anzeige werden hauchdünne Videofolien angebracht, die auf Druck ein kurzes Werbevideo abspielen: Haben Sie Erfahrungen mit dem Medium? Wie teuer ist so etwas? Wie aufwändig ist die Produktion?

Printed Electronics ist leider ein Thema, das derzeit eher theoretisch existiert, als dass praktische Anwendung zu finden sind. Das ist kein Wunder, denn die Hersteller wollen sich nicht in die Karten schauen lassen, bis die Produkte absolute Marktreife erreicht haben. Ich bin aber überzeugt, dass in den nächsten Monaten in diesem Bereich einiges Neues zu hören sein wird. Es geht schließlich um Medienkonvergenz und damit um die zukünftige Verbindung von Print und Video.