Es kommt Bewegung in den Druck

Dass man die Lieblingsszene des letzten Kassenschlagers als Druckerzeugnis erlebbar machen kann, ist schon ungewöhnlich. Möglich ist dies durch den Lentikulardruck. Doch was kann das Verfahren wirklich?
„Der Lentikulardurck ist das einzige Veredelungsverfahren, das die Darstellung von Bewegungsabläufen oder Veränderungsprozessen in einem Printprodukt möglich macht“, erklärt Holger Vogt, Geschäftsführer der Vogt Foliendruck GmbH. Um die dreidimensionale bzw. kinetische Bilddarstellung zu erhalten, werden Bilder mithilfe spezieller Software in Streifen zerlegt und das nötige Streifenlinsenraster berechnet. Entscheidend sind hierbei die Größe der Bilder und der zu erzielende Effekt.
Die Lentikularfolie

Die einzelnen Bildinformationen werden spiegelverkehrt auf die glatte Seite einer Lentikularfolie gedruckt. Je nach Linsenstärke wird diese auch passgenau kaschiert. Lentikularfolie besteht aus extrudiertem Kunststoff, Acryl oder Hybridkunststoffen, wobei eine Seite mit einer Vielzahl von halbzylinderförmigen Linsen ausgestattet ist, durch welche je nach Einfallswinkel das Licht unterschiedlich gebrochen wird. Grundsätzlich gilt: Je klarer die Trennung der Bilder, desto klarer die Darstellung. Je brillanter die Druckfarben und je weniger Eigenfarbe die Linse hat, desto farbechter das Ergebnis.
Die Linsenanzahl stellt ein wichtiges Kriterium für das gelungene Endergebnis dar. Ob ein gröberes oder feineres Raster verwendet werden sollte, hängt von dem gewünschten Effekt ab und vom gewünschten optimalen Betrachtungsabstand, den man anstrebt. Ein Motion-Effekt erfordert beispielsweise feine Übergänge, also eine Linse die klar trennt. Je mehr lpi (lines per inch), desto feiner ist die Auflösung des Bilds durch die Linse, aber desto geringer ist auch die Fokussierung. Bei 3D-Effekten in Postergröße ist eine hohe lpi-Zahl notwendig, denn der Betrachtungsabstand ist meist größer. Bei Karten hängt das aber stark vom gewünschten Effekt ab. Zum Beispiel ist bei Bewegung meist eine stärkere Linse besser, obwohl sie Linien stärker aufrastert.
Die Lentikularlinsen
Das qualitative Ziel ist nach Holger Vogt, Geschäftsführer von Vogt Foliendruck, „die professionelle Fertigungstiefe mit der gemeinsamen Entwicklung zur besten Bilddarstellung, die der Werbeaussage des Kunden entspricht“. Um dies zu erreichen, müssen die Linsen sorgfältig ausgewählt werden. Derzeit gibt es mindestens acht unterschiedliche Lentikularlinsen auf dem Markt, welche sich in zwei signifikanten Merkmalen voneinander unterscheiden: im Durchmesser und der Beschaffenheit der Winkel. „Für Animationen sind besonders breite Winkel geeignet. Schmale Winkel dienen zur Produktion von 3D-Erzeugnissen“, so Daniel Pierret, Geschäftsführer und Gründer von DPLenticular, einem der führenden europäischen Anbieter von Lentikularfolien.
Vertikal gestürzte Linsen sorgen dafür, dass das linke Auge ein anderes Bild wahrnimmt als das rechte. Es kommt zum sogenannten 3D-Effekt. Um Filmsequenzen grafisch festzuhalten, nutzt man horizontal ausgerichtete Linsen. Diese werden neben Bewegungseffekten auch für Zoom-, Morph- und Flip-Effekte verwendet.
Die Bilder
Um die Kunden später wirklich zum Staunen zu bringen, müssen in jedem Fall professionelle 3D-Fotografien angefertigt werden. Wer nun aber mithilfe eines Morphingeffekts die sprichwörtliche Mücke zum Elefanten machen möchte, wird enttäuscht werden. Der Effekt setzt nämlich die Ähnlichkeit von Anfangs- und Endmotiv unbedingt voraus. Der Flip-Effekt erfordert dagegen die gleiche Bildgröße und ähnliche Farben.
Holger Vogt erklärt, dass während bei Morphing- und Motion-Bildern bis zu 32 Einzelbilder verwendet werden können, sich die Bilderanzahl bei Wechselbildern mit unterschiedlichen Motiven auf vier gut erkennbare Motive begrenzt. Bei sechs bis acht Motiven würden die Grafiken nur verschwommen wahrgenommen. Auch der Hintergrund der Grafiken muss mit Bedacht gewählt werden. Bei zu hellen Farben sowie kontrastarmen Hintergründen entstehen sonst besonders bei Flip-Effekten sogenannte „Ghosting-“Effekte, also Schattenbildung.
Das Druckverfahren

Lentikulardrucke können sowohl im Offset- als auch im Digitaldruck realisiert werden. „Die qualitativ höchsten Ergebnisse erreicht man im UV-Offsetdruck, da die Farben zwischen den Werken mit einer Zwischentrocknung und mit einer UV-Endtrocknung durchgehärtet werden. Weiterhin kann in Abhängigkeit zur Maschinenausstattung in einem Arbeitsgang ein Deckweiß aufgedruckt werden, welches für die Weiterverarbeitung der rückseitigen Kaschierung mit Papier oder Karton erforderlich ist“, so Holger Vogt. UV-Farben sind im Lentikulardruck ohnehin sehr empfehlenswert: Hiermit wird das bestmögliche Farbergebnis erzielt. Außerdem ist es die schnellste Variante für alle Arten von Plastikbedruckung. Beim Druck auf Papier werden Farben absorbiert, beim Druck auf Plastik nicht.
Der höchste Umsatz wird mit dem Verkauf von Offsetprodukten erzielt. Der Druck im Offset erlaubt eine viel höhere Auflösung und größere Auflagen. Zwar entwickelt sich der Digitaldruck hinsichtlich der Druckqualität stetig, beispielsweise dank der HP Indigo, jedoch steht die Auflösung bis jetzt in keiner Relation zu der des Offsetdrucks. Lediglich digital angefertigte Großformate können hier hinsichtlich der Auflösung qualitativ mithalten.
Das Besondere am Lentikularverfahren
„Mit Lentikular kann man die Aufmerksamkeit von Printprodukten stark erhöhen. Die Informationsflut der Standard-Printprodukte ist groß und der Beworbene überfliegt die Produkte lediglich. Beim Einsatz mit Lentikularprodukten wird der Spieltrieb angeregt und der Beworbene beschäftigt sich mehr mit dem Angebot. Dies führt dazu, dass er weitere beschriebene Aktivitäten ausführt, oder sich an die Werbung später positiv erinnert und dann handelt“, erklärt Holger Vogt den Nutzen von Lentikularanwendungen.
Die Zukunft des Lentikulardrucks
Holger Vogt erklärt: „Durch den relativ hohen Materialpreis ist die Produktion immer deutlich teurer als Papier- und Kartonprodukte.“ Er merkt jedoch weiter an: „Umfragen im Kreise unserer Kunden haben ergeben, dass durch den Vergleich der Kosten zum Erfolg der Nutzen höher ist als die Kosten. Die meisten Empfänger, Leser und Betrachter können sich auch noch nach Tagen gut an das Produkt erinnern bzw. sind der Aufforderung der Produktaussage gefolgt.“










